Wählen Sie eines Ihrer Lieblingswerke aus. Versuchen Sie, in einem einzigen Satz zu sagen, warum Sie dieses Buch lieben. Dann schreiben Sie auf, mit welchen Methoden der Autor dies nach Ihrer Meinung erreicht hat. Sie brauchen dazu keine Fachtermini, es reicht, wenn die Erklärung für Sie allein verständlich ist. Sie sollen sich mit dieser Übung ausschließlich auf die Magie des Schreibens einstimmen.” (Steele S. 19)
“Fiesta” von Ernest Hemingway, geschrieben 1926, Originaltitel: “The Sun Also Rises” (rororo 22603, gelesen im Juli/August 2007)
“Fiesta“, Hemingways erster Roman, ist eines meiner Lieblingsbücher, weil es Mut macht, selber einen Erstling zu schreiben.
Hemingway probiert seine knappe Sprache hier erstmals an einem Roman aus. Die Zahl der Charaktere ist übersichtlich, jede Hauptfigur wird mit wenigen Sätzen charakterisiert, erst im Laufe des Romans folgen tiefergehende Enthüllungen, das gilt auch für den Ich-Erzähler. Die Handlung ist sehr konzentriert, es gibt keinerlei Geschwafel.
Ich hatte zuvor “Paris – ein Fest fürs Leben” gelesen, Hemingway erzählt darin über die Entstehung von “Fiesta” und über seine Schwierigkeiten, einen Roman zustande zu bringen. Er berichtet über ein Treffen mit Scott Fitzgerald, den Autor von “Der große Gatsby”:
Ich versuchte, ihn dahin zu bringen, seine Geschichten so gut zu schreiben, wie er konnte und nicht mit Tricks, so dass sie einem Schema entsprachen, wie er mir früher einmal erklärt hatte.
“Du hast jetzt einen ausgezeichneten Roman geschrieben”, sagte ich zu ihm, “und du darfst keinen Kitsch schreiben.”
“Der Roman verkauft sich nicht”, sagte er. “Ich muss Geschichten schreiben, und es müssen Geschichten sein, die sich verkaufen.”
“Schreib die beste Geschichte, die du schreiben kannst, und schreib sie so direkt wie du kannst.”
“Schreib die beste Geschichte, die du schreiben kannst, und schreib sie so direkt wie du kannst.” Ich wollte sehen, wie Hemingway das angestellt hat. Das Ergebnis heißt “Fiesta”.